Entdecker des Ozons und Erfinder der Schießbaumwolle

am .

 

Daten aus dem Leben C.F. Schönbeins:schoenbein

 

1799 18.10. Christian Friedrich Schönbein wird in Metzingen als Sohn eines Färbers geboren

 

1813 Nach dem Besuch der Metzinger Volksschule absolviert er eine 7 jährige Lehre in der chemischen Fabrik Metzger & Kayser in Böblingen

 

1820 Nach Ende seiner Lehre tritt er als Chemiker in die Fabrik Dr.Dingler in Augsburg ein , wechselt nach wenigen Monaten als Fabrikdirektor an die chemische Fabrik J.N.Adam in Hemhofen bei Erlangen

 

1821 Beginn des Studiums an der Universität Erlangen - im Herbst für zwei Semester an die Universität Tübingen

 

1823 Rückkehr an die Uni Erlangen - im Herbst Übersiedlung als Lehrer für Physik, Chemie und Mineralogie nach Keilhau

 

1826 Fahrt nach England , dort Lehrer in Epsom; Schönbein bereist England und Schottland

 

1827 Studium von Physik und Chemie an der Sorbonne in Paris bei den Professoren Gay-Lussac, Thenard und Ampère

 

1828 Nach weiterem Aufenthalt in England im November Übernahme einer vertretungsweisen Professur für Physik und Chemie in Basel

 

1831 Beteiligung als Freiwilliger an den Basler Unruhen

 

1835 Ordentliche Professur in Bsel - im Juli Heirat mit Emilie Benz aus Stuttgart; aus der Ehe gehen vier Töchter hervor

 

1836 Entdeckung der Passivität des Eisens

 

1839 Entdeckung des Ozons - Reise nach England

 

1842 "Mitteilungen aus dem Reisebuch eines deutschen Naturforschers" als Reiseerlebnisse von Schönbein

 

1845 Erneute Reise nach England

 

1846 Herstellung von Schießbaumwolle und Kollodium; Mitglied der Chemical Society of London

 

1848 Der Kantonsrat von Basel ernennt Schönbein zu seinem Mitglied

 

1851 Schönbein wird Mitglied des Stadtrats von Basel

 

1854 Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften

 

1855 "Menschen und Dinge" als weiterer Band seiner Reiseerlebnisse

 

1856 Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften

 

1863 Mitglied der Académie des Sciences Paris; Ehrendoktorwürde der Universität Tübingen

 

1868 29.08. Schönbein stirbt in Baden-Baden auf der Rückreise von einem Kuraufenthalt und wird in Basel begraben

 

 

 

Herr Schönbein - gestatten Sie noch ein paar Fragen .........?

 

"Herr Schönbein, Sie sind am 18.Oktober 1799 in Metzingen geboren?"

 

Ja, das stimmt, im Gebäude Reutlinger Straße 2. Mein Vater hatte das Anwesen drei Jahre zuvor erworben und im Erdgeschoß eine kleine Färberei eingerichtet. 1818 mußten wir das Haus aus Geldnot verkaufen.

 

 

"Da lebten Sie aber schon nicht mehr in Metzingen?"

 

Nein. Mit 14 Jahren schickten mich meine Eltern, nach dem Besuch der Volksschule, in die Lehre. Sieben harte Jahre habe ich dort in Böblingen zugebracht, der Arbeitstag dauerte von 6 Uhr früh bis 19 Uhr abends und ich habe mich oft nach Metzingen zurückgesehnt. Meine freie Zeit benützte ich, um Lateinisch zu lernen und meine lückenhafte Schulausbildung auszugleichen.

 

 

"Haben Sie Ihren erlernten Beruf auch ausgeübt?"

 

Nur kurze Zeit in Augsburg, dann wechselte ich nach Hemhofen bei Erlangen als Fabrikdirektor.

 

 

"Sie suchten die Nähe der Universität?"

 

Die Fächer Physik und Chemie faszinierten mich. Bedenken Sie die Zeit- Volta, Davy und andere machten wegweisende Entdeckungen - es herrschte Aufbruchstimmung. Ich wollte an einer richtigen Universität studieren. Und so wanderte ich schon mal alle 14 Tage nach Erlangen, um Physik und Mathematik zu hören. 1821 ging ich dann nach Tübingen zu Prof.Gmelin und 1823 begann ich als ordentlicher Student in Erlangen Philosophie und Physik zu studieren. Nachdem ich meine Sprachkenntnisse verbessert hatte, konnte ich auch in London und Paris Vorlesungen besuchen. Ich habe Testate von Prof. Ampère und Prof. Gay-Lussac (Gasgesetze und Maßanalyse).

 

 

"Herr Professor Schönbein, Sie sind Ehrendoktor der Universitäten Tübingen, Feiburg und Basel, Sie haben in Basel bedeutende wissenschaftliche Leistungen vollbracht - ich denke an die Entdeckung der Schießbaumwolle, des Kollodiums, des Ozons!"

 

Die Schießbaumwolle hat mir am meisten Spaß gemacht. 1846 behandelte ich erstmals rohe, gereinigte Baumwolle (Zellstoff) mit einem Gemisch aus rauchender Salpetersäure und konz. Schwefelsäure und erhielt nach dem Auswaschen und Trocknen eine lockere, weiße Wolle, die auf Schlag heftig explodiert und beim Anzünden blitzartig und rückstandsfrei abbrennt. Man konnte damit eine ganze Menge Schabernack treiben. Ich bin aber sicher, dass sich daraus ein neuer brisanter Schieß- und Sprengstoff entwickeln läßt. Wenn man die Zellulose weniger scharf nitriert, erhält man Kollodium, das man nach weiterer Bearbeitung als Klebepflaster für Wunden benützen kann. 1839 berichtete ich dann der Naturforschenden Gesellschaft in Basel über ein neues, süßlich riechendes Gas, das ich OZON (griech. = das Riechende) nannte. Die Analyse des Ozons ist mir allerdings nicht gelungen, schade. Überhaupt interessiert es mich, was aus meinen Entdeckungen geworden ist?

 

 

"Ich werde versuchen, Ihnen zu antworten: 1875 gewann Alfred Nobel durch Auflösung Ihrer Schießbaumwolle in Nitroglycerin eine Sprenggelatine, die von 1888 an das alte Schießpulver im Heer endgültig ablöste und heute den Bau automatischer Waffen mit hoher Schußfolge möglich machte. Das Kollodium wurde zum Grundstoff von "Kunstfasern" wie Nitroseide oder Acetatseide. Mit der Entdeckung des Ozons schließlich haben Sie einen ganzen Forschungsbereich eröffnet, seit 1899 kennen wir die Molekülmasse und die Struktur des Ozonmoleküls. Wir wissen, dass Ozon eine besondere Form des Sauerstoffs ist und in der Stratosphäre in etwa 22 bis 25 km Höhe einen Schutzschild gegenüber einfallender Strahlung darstellt. Es beunruhigt uns sehr, dass dieser Schutz heutzutage immer schneller dünner und durchlässiger wird."

 

Nun, es freut mich, dass meine Entdeckungen nicht vergessen sind und dass ich ein paar Bausteinen zum Gebäude der Chemie beitragen konnte.

(Auszüge aus einem fiktiven Gespräch unseres Chemielehrers Werner Fitz mit Herrn Schönbein)