Physik

Ein Tag ohne Strom

Heute morgen schreckte ich auf. Ich saß aufrecht im Bett, als ich die Kirchturmglocken 6.30 Uhr schlagen hörte. Ich blickte schlagartig auf meinen Radiowecker, doch dort sah ich nur ein dunkles Fenster. Die Anzeige war erloschen. Aufgeregt drehte ich mich im Bett um, um den Lichtschalter zu betätigen, doch mein Vorhaben blieb erfolglos. Das Zimmer blieb stockdunkel.

So tastete ich mich langsam an der Wand entlang. Doch dabei vergaß ich, dass ich gestern in der Eile meinen Schreibtischstuhl nicht an den Tisch zurückschob und prompt stieß ich meine Zehen an den Rädern an. Nach diesem Missgeschick schlich ich weiter in den Flur, als dort ebenfalls kein Licht das Haus erhellte, war mir klar - Der Strom ist ausgefallen. So suchte ich im Dunkeln nach einem dicken Pullover, dabei musste ich allein auf meinen Fühlsinn vertrauen.

Nachdem ich mich vollständig angezogen hatte ging ich in die Küche, um ein Streichholz zum Entzünden der Kerzen zu suchen. Ein Glück, dass der Strom  in der Weihnachtszeit ausfiel, da wir zu dieser Zeit in jedem Raum Kerzen aufgestellt hatten. Noch etwas verschlafen ging ich zum Kühlschrank. Als ich zur Milch griff merkte ich sofort den Temperaturunterschied. Nun gut, dann aß ich mein Müsli eben warm, ohne Unterhaltung durch das Radio, so wie an all den anderen Schultagen.

Doch plötzlich erinnerte ich mich, dass ich gestern mein Lieblings-Eis kaufte. Ich ahnte Böses. Nachdem der Kühlschrank nicht in Betrieb war, würde sicherlich auch die Kühltruhe nicht funktionieren. Alle Befürchtungen bestätigten sich, denn ich hielt beim Nachschauen nur noch Eisbrei in den Händen. Nachdem ich mein Mango-Himbeer-Eis wehmütig entsorgt hatte, aß ich zu Ende.

Auf das Zähneputzen mit der elektrischen Zahnbürste musste ich leider verzichten, da der Akku wegen fehlender Ladekapazität streikte. (Mein Vater hatte gestern Abend das Gerät noch an das Stromnetz angeschlossen, doch aufgrund des Stromausfalls war diese Handlung ohne Wirkung geblieben.) Nun blieb mir nur noch eine Möglichkeit, ich musste auf das herkömmliche Verfahren zurückgreifen. Bei meiner Katzenwäsche merkte ich, dass das Wasser eiskalt war, "Na, klar, ohne Strom kein warmes Wasser." Vom Wasser geweckt lief ich durch stockdunkle Straßen zum Bus.

In der Schule angekommen, war jegliche Form des Unterrichts im dunklen Raum erschwert. Lesen, Rechnen, Schreiben...war fast unmöglich, wenn man nicht am Fenster saß, wo man die ersten Sonnenstrahlen erhaschen konnte. Nachdem der Schulvormittag ohne Klingeln endete, fuhr ich mit großem Hunger heim. Die Küche blieb jedoch auf Grund des Stromausfalls kalt. So griffen wir auf unseren Gasgrill zurück und nutzten die Situation zum ausgiebigen Grillen. Nachdem der Nachmittag mit Schachspiel und Lesen, anstatt Computerspielen und Fernsehschauen, zu Ende ging, schaute ich zufällig auf meinen Wecker. Die Anzeige blinkte wieder rot auf. Ich war erleichtert und stellte gleich den Wecker für den morgigen Tag, um relaxt in den neuen Tag - mit Strom - zu starten.

 

Florian Bader