Metzingen-Rollstuhlsicher?

rollifahrerZiel des Projektes war es zu testen, ob die Stadt Metzingen für Rollstuhlfahrer geeignet ist. Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 8a waren in sechs Gruppen unterwegs und haben in sechs Stadtteilen verschiedene öffentliche Gebäude und Plätze getestet. Untersützt wurden sie dabei von drei betroffenen Rollstuhlfahrern sowie von dem Sanitätshaus Brillinger in Reutlingen, welches der Klasse einige Rollstühle zur Verfügung stellte. Die Klasse hat ihr SE-Projekt am 29.03.07 im Metzinger Rathaus präsentiert.

 

Presseberichte:


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zeitungsfotoBehindertengerechte Stadt – Ein Selbstversuch im Rolli: Schüler der Schönbein-Realschule haben Metzingen getestet

Schwergängige Türen, zu steile Rampen

 

GEA-FOTO: FÜS

METZINGEN. Stufen, Treppen, zu steile Rampen, schwergängige Türen – für Rollstuhlfahrer Hindernisse, die sie, wenn überhaupt, nur mit Hilfe überwinden können. Ist das dennoch geschafft, stoßen sie auf schmale Gänge, zu hohe Regale und Theken, die nur stehend zu überblicken sind. Schüler der Klasse 8a der Schönbein-Realschule haben es ausprobiert, sind im Rollstuhl sitzend durch die Stadt gefahren, in den Bahnhof, ins Rathaus, in so manche Bank und in viele Geschäfte. Die Erfahrungen, die sie dabei gemacht haben, wurden am Mittwoch im großen Sitzungssaal des Rathauses präsentiert.



Ungehindert bis ans Becken

Schlecht steht Metzingen demnach nicht da. Das Rathaus ist über eine gut angelegte Rampe zu erreichen, nur die Türen, die sind im Rollstuhl sitzend sehr schwer zu öffnen. Die großen Banken in Metzingen sind da deutlich besser ausgestattet, deren Türen öffnen automatisch. Gut hinein, so die Erfahrung der Schüler, kommt der Rolli-Fahrer auch ins Eduard- Kahl-Bad, wo er ungehindert bis ans Becken gelangt.


Weniger gut abgeschnitten hat dagegen die Stadtbücherei: Ist die schwergängige Tür erst einmal überwunden, bleibt nur das spärliche Angebot im Erdgeschoss, die oberen Etagen sind mangels Fahrstuhl erst gar nicht zu erreichen. Vermisst haben sie beim Kino eine Rampe, zu den Gleisen des Bahnhofs kommen Rollstuhlfahrer nur in Begleitung und insgesamt, so die Schüler, gebe es zu wenige Behindertenparkplätze, gleichwohl sie der Stadt in Sachen Rollstuhltauglichkeit eine immer noch recht gute Note gaben.



Enge Gänge, zu hohe Regale

In so manches Geschäft rollt es sich dagegen recht locker rein, doch dann sind die Gänge so eng, dass mit dem Gefährt kaum mehr eine Drehung möglich ist. Die Regale sind zu hoch, ohne helfende Hand, ist schwerlich an den gewünschten Artikel heranzukommen, haben die Schüler bei ihrem Test im Rahmen des Projektes »Soziales Engagement« zudem herausgefunden. Doch das trifft nicht auf alle Läden zu. Die Schüler haben auch großzügig bemessene Geschäfte gefunden, die genügend Raum für Rollstuhlfahrer bieten und ihre Waren entsprechend überschaubar präsentieren.


Auch in Metzingens Outlet-City waren sie unterwegs, sind dort auf geräumige Behindeten-WCs gestoßen, wobei allerdings nicht jedes Geschäft über einen Aufzug verfügt. Wenn doch, war der häufig zugestellt oder nur schwer zu finden. Sie sind dafür überall auf freundliches Personal gestoßen, das offenbar gerne weitergeholfen hat.



In sechs Gruppen unterwegs

Aufgeteilt in sechs Gruppen war die Klasse in der Stadt unterwegs. Die Rollstühle hatte ihnen ein Reutlinger Sanitätshaus kostenfrei zur Verfügung gestellt. Tipps und Anregungen im Umgang mit dem ungewohnten Gefährt haben sie sich bei Peter Flecks, Markus Hupp und Jörg Ruopp geholt, drei Metzinger, die im Rollstuhl sitzen. »Für mich sind die Ergebnisse hochinteressant«, erklärte Oberbürgermeister Dieter Hauswirth, der die Untersuchung an den Gewerbe-, Handels- und Verkehrsverein und deren Marketing-Initiaitve weiterleiten möchte. »Was mich bewegt, sind die teilweise mangelnden Verhältnisse in den Geschäften.« Meist fehle es nicht am guten Willen, sondern an Informationen. »Wir hoffen, dass wir damit für die Probleme der Rollstuhlfahrer etwas mehr Bewusstsein schaffen«, ergänzte die Lehrerin der 8a, Anja Schurig. »Wenn sich durch diese Untersuchung etwas zum Guten verändert, sind wir zufrieden.« (füs)


Welche Hindernisse gibt es in Metzingen für Rollstuhlfahrer? Die Schüler der 8a haben es ausprobiert. Das Ergebnis: Zwar gibt es noch einiges zu verbessern, aber insgesamt sind die Ziele in der Stadt ganz gut zu erreichen.